Nachbarschaftsgeschichten: Paris / Berlin, Verfeindete Geschwister

Sendezeit: 07:30 - 08:25, 28.05.2022
Genre: Stadtbild, Episode 1
  • Regie: Frédéric Wilner
Frankreich (2015) Zwischen 1650 und 1789 spielen Paris und Berlin nicht in der gleichen Liga. Während Paris mit 350.000 Einwohnern die größte Stadt der Welt ist, kann in Berlin die Ausdehnung der Stadt gar nicht schnell genug voran gehen. Die erste Folge zeigt anhand der architektonischen Gestaltung, wie die großen französischen Könige den Grundstein für das moderne Paris gelegt haben und dadurch maßgeblich Einfluss auf das vergleichsweise provinzielle Berlin ausgeübt haben.
Paris ist die erste Hauptstadt, die ihre Stadtmauern einreißt. Dort wird das Konzept des königlichen Platzes erfunden und der mittelalterlichen Stadtform der Rücken gekehrt. Gleichzeitig steigt Berlin nicht ohne Schwierigkeiten zum Zentrum eines kleinen Königreichs auf und gewinnt schließlich während der Regentschaft Friedrichs II. an Bedeutung. Der frankophile Friedrich der Große verschafft seinem Land einen Platz im europäischen Machtgefüge. Er lässt sich vom französischen Beispiel inspirieren, um seiner Hauptstadt eine besondere städtebauliche Handschrift zu geben. Doch bis zur Französischen Revolution ist Paris Berlin stets einen Schritt voraus. Die unter Ludwig XVI. errichteten großzügigen Torbögen an den Außengrenzen der Stadt sind für Berlin zweifellos Vorbild für den Bau eines nationalen Symbols im Jahr 1788: des Brandenburger Tors.
Diese Folge beschäftigt sich mit den großen Figuren des Absolutismus: Ludwig XIV., der mit königlichen Plätzen seine Macht in Paris zum Ausdruck bringt; Ludwig XV., dessen umstrittene Persönlichkeit sich in der nicht vollendeten Place Royale widerspiegelt; und Ludwig XVI., der als Erster Paris verschönern will.
Auf deutscher Seite schafft Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, die Grundlagen für die spätere Blüte Berlins. Sein Sohn Friedrich III. tauscht das Kurfürstentum gegen den Königstitel. Ihm folgt der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., unter dem Preußen zur Militärmacht aufsteigt. In Berlin entsteht der Königsplatz, der spätere Platz der Republik. Unter Friedrich dem Großen wird das Land schließlich endgültig zu einer wichtigen Macht in Europa.
Hintergrundinformationen: Im Jahr 1650 hat Paris bereits mehr als 350.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt der damaligen Zeit. Berlin hingegen zählt nur 15.000 Einwohner. In den Einwohnerzahlen spiegelt sich auch das Machtgefüge zwischen Paris und Berlin wider. Im Jahr 1685 zwingt Ludwig XIV. mit seinem Edikt von Fontainebleau 200.000 Hugenotten zur Flucht. Die Flüchtlinge siedeln in Nachbarländer mit protestantischer Mehrheit über. Der Große Kurfürst von Brandenburg nimmt einige Tausend von ihnen in Preußen auf. Eine der ältesten Hauptstädte Europas - und eine der jüngsten: Paris und Berlin haben sich bekämpft, versöhnt, beeinflusst und gemeinsam eine bewegte Geschichte geschrieben. Die architektonische und städtebauliche Gestaltung zeugt noch immer davon. Neben schrecklichen Kriegen lieferten sich die beiden Länder auch einen friedlichen Wettstreit: Beide Metropolen ließen sich von der jeweils anderen inspirieren, was die Entwürfe von Bauten und Denkmälern, Straßenzügen und Plätzen angeht. "Nachbarschaftsgeschichten: Paris / Berlin" erzählt, wie sich die beiden Städte von 1650 bis heute gewandelt haben. Unter anderem anhand von Stadtmodellen, die in 3D animiert sind, taucht die Reihe in die gemeinsame Geschichte von Paris und Berlin ein, um einen neuen Blick auf das heutige Erscheinungsbild der beiden Hauptstädte und ihr historisch gewachsenes Verhältnis zu werfen.

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